Posts Tagged ‘Schule’

Komm in den totgesagten park und schau

15. Juni. 2015

Dort nimm das tiefe gelb – das weiche grau
Von birken und von buchs – der wind ist lau –
Die späten rosen welkten noch nicht ganz –
Erlese küsse sie und flicht den kranz –

Vergiss auch diese letzten astern nicht-

in letzter zeit zeichnet sich eine bruchlinie ab, was „schule unter den bedingungen der digitalisierung“ betrifft: ein wachsendes unbehagen in der fortschrittlichen pädagogen-kultur.

ok, es sind jetzt nur zwei, von denen ich weiß, aber sie sind schlüsselfiguren: Torsten Larbig und  Thomas Rau. beide sind deutschlehrer am gymnasium. (sie haben noch andere fächer, natürlich, u.a. #informatik, aber  hier scheint mir die wurzel der skepsis zu liegen.) beide benutzen übrigens auch bewusst den klassischen ich-bin-ein-lehrer-bloggernamen: „Herr Rau„, der damit möglicherweise sogar der stilprägend erste war, und „Herr Larbig„.

übrigens sind beide in vieler hinsicht deutlich „digitaler“ als ich: Larbig ist ein gadget-liebhaber, der wirklich alles ausprobiert, und Rau ein altgedienter blogger und versierter informatik-lehrer, der sich da bis in den admin-bereich hinein auskennt.

ich glaube, dass ihr unbehagen bezeichnend und wichtig ist: erstens sind die beiden leidenschaftliche pioniere und protagonisten einer „digital“ aufgeklärten schule, die schüler als eigenständig lernende ernst nimmt. und zweitens glaube ich, dass sie ein unbehagen artikulieren, das unterschwellig weit verbreitet ist und das bald noch sehr viel lauter werden wird.

bei „Herr Larbig“ ist schon lange zu spüren, wie die vervielfachung der digitalen möglichkeiten, die er als pädagoge emphatisch ergreift (u.a. als mitbegründer und wortführer des edchatDE), mit einer unterschwelligen verunsicherung in der ebenso emphatisch ausgefüllten lehrer-rolle einhergeht. unter anderem z.b. hier.

(viele didaktische details und unterrichtsideen Larbigs erinnern mich an meinen vater, auch ein gymnasium-deutschlehrer, der die bühne liebte, seinen drive noch aus der prägung als pfadfinder-„jugendbewegungsführer“ hatte und dann in den 1960er jahren die humanisierung & demokratsierung der autoritär verseuchten schulen aktiv mit vorantrieb.)

und auch bei dem zurückhaltenden, skeptischen und leise ironischen „Herrn Rau“ ist zu spüren, dass er sich in seiner subtilen pädagogenpraxis vom digitalen umbruchsgetöse zunehmend gestört fühlt. das ideal, das man durchspürt, ist die verbesserte und ausgeweitete gymnasialbildung der 1970er: kluge, kritische menschen, die zusammen literatur lesen, nur eben mit den enorm verbesserten möglichkeiten, die v.a. die blogs bieten: Gruppe 47 on Steroids, sozusagen. (auch mein vater hat ja auf seine alten tage noch das bloggen begeistert ergriffen.)

und gerade bei diesen zwei vorreitern braut sich nun ein unbehagen angesichts der „digitalisierung“ zusammen. irgendwie scheinen sie zu befürchten, dass das mittelfristig ihre art von pädagogik und die damit verbundene literarische kultur bedroht. ich vermute, dass sie damit am ende recht haben. man kann die entwicklung ganz gut am schicksal des legendären FAZ-feuilletons ablesen: es befindet sich im niedergang, die tage des bildungsbürgerlichen leitmediums sind gezählt.

das gymnasium (in seiner bildungsbürgerlichen spielart) steht kulturell in enger verbindung mit der pressekultur der nachkriegszeit. nach kurzzeitiger öffnung in den 1970er jahren ist es bald wieder zur verschlossenen bibliophilen arche geworden, die den fluten des zeitgeists trotzt. hier liest man für immer Siegfried Lenz. (diese bildungsbuchkultur stirbt übrigens nicht aus, es gibt ja eher wieder mehr als weniger schüler, die dort zuflucht suchen. sie wird eher den weg des vinyls gehen, zur manufactum-kultur der connoisseure.)

Larbig und Rau haben aber sicher nicht recht, falls sie befürchten, dass ihre konkrete praxis gefährdet ist. das ist ganz sicher guter unterricht, und ich sehe niemand, der den gezielt abschaffen will. die schullektüre wird nicht auf internet umgestellt. die pensionen sind sicher, jedenfalls noch für diese lehrergeneration.

was aber ist dann die „Digitale Revolution“, die diese Digitalreformer fürchten? wer sind denn die bolschewiki, die diese menschewiki bedrohen?

Herr_Rau vorhin auf Twitter, nur zu 2/3 ironisch:

welche „Revolution“ denn? ausgerechnet in deutschland? da, wo man vorher eine bahnsteigkarte lösen muss? (quelle des obskuren bonmots übrigens hier aufgeklärt. in wikipedia natürlich.)

es stimmt schon, leute wie Lisa Rosa oder auch ich benutzen manchmal APO-rhetorik: da geht es um die aufbrechenden widersprüche, die einen gesellschaftlichen umbruch ankündigen. und die parallelen mit der großen kultur-umwälzung der 1960er finde ich tatsächlich oft frappierend. Ivan Illichs „Entschulung der Gesellschaft“ (geschrieben 1971) liest sich unter digitalen vorzeichen sehr frisch.

aber heute gibt es keine digitalen K-gruppen und keine digitale RAF, und auch nicht, anders als im spanien der 1930er jahre, stalinistische digital-kommandos unter Ulbricht oder Mielke.

ich selbst bevorzuge die bezeichnung „Digitaler Klimawandel“: der lauf der informations- und kommunikationsströme ändert sich dramatisch, heftige naturereignisse nehmen zu, manche gegenden trocknen aus und wieder andere werden überschwemmt. es wird ungemütlich, alles ändert sich, ein zurück in den status quo gibt es nicht, und die hoffnung liegt eher in Waterwoningen für alle (das ist das Web) als in der kostbaren, einsamen Bildungs-Arche mit Noah auf der Pädagogenbrücke.

diese „Digitale Revolution“ ist zuerst eine disruption: eine umfassende, abrupte unterbrechung der strukturen, die die stabilität unserer gewohnten welt ausmachen. und die gefahr für sympathische, engagierte und reflektierte pädagogen sind sicher nicht blindwütige „Digitale Revolutionäre“, die Herrndorf oder Eichendorff als schullektüre verbieten.

eher im gegenteil: die digitale gefahr, die ich sehe, wird sich mit den konservativen kultusministerien verbünden:

nachsatz:

das gilt für „digitale bildung“ insgesamt, aber es gilt auch für die literatur, die in meiner biographie ja ein wichtige rolle spielte:

in den 1970er jahren, nach dem „Tod der Literatur“ reformierte sich die literarische kultur neu unter dem einfluss von 1968 und popkultur. man kann das ganz gut an Gernhardt oder an Handke festmachen, auch wie sich das mit zunehmendem alter dann wieder zu einem neuen wertkonservatismus verfestigte.

heute ist wieder eine solche reinkarnation der „literarischen kultur“ nötig, wenn man da den funken weitertragen will. zugegebenermaßen wird sie im zeitalter der vernetzten cloud-texte radikaler ausfallen müssen. (ich habe mal dazu einen grundsätzlicheren text geschrieben, im zusammenhang mit dem #kindle 3.)

10 häufig gestellte Fragen zum digital unterstützten Lernen an den Schulen

9. Juni. 2015

Im Folgenden ein paar schnell notierte herunter geschriebene und sicher unvollständige Antworten zu Fragen, die das Lernen mit digitalen Netz-Medien an Schulen betreffen. Aufgeworfen wurden die Fragen von Christian Ebel (Bertelsmann Stiftung) in einer Blogparade, der Landesregierung Schleswig-Holstein (hier) und vom Bildungsjournalisten Christian Füller (zugespitzt hier). Im Live-Hangout zum Thema kamen die kontroversen Fragen dann deutlich zu kurz, deshalb hier der versprochene schriftliche Nachtrag.

Vorausgeschickt: Ich komme aus einer Lehrerfamilie, kenne viele Lehrer und habe selbst als Lehramtsstudent angefangen. Ich habe eine Tochter, die heute ihr Abi abschließt. Es gibt also eine gewisse Nähe, aber ich bin kein Insider in Schulfragen. Dazu gibt es auch schon viele andere gute Antworten, ich verweise hier v.a. auf Philippe Wampfler und einige andere Beiträge zur Blogparade, und neuerdings hat auch Füller selbst einen konstruktiven Text nachgereicht. Aber hier steuere ich mal meine 10 Cent bei.

(1) „Was ist der Mehrwert für schulisches Lernen? Kann sich der Einsatz digitaler Medien im Unterricht positiv auf das Lernen der Schüler auswirken?“

Das ist die Frage der Blogparade. Sie ist ganz offensichtlich nicht an die Lernenden gerichtet, um die es hier ja geht, sondern doch wieder nur an die Lehrenden, die ja ihre eigenen Interessen, Perspektiven und Prioritäten haben.

Bereits die Worte „im Unterricht“ bzw. „schulisch“ deuten an, dass es hier eben nicht einfach um „das Lernen der Schüler“ geht, sondern um dasjenige Lernen, das von Institutionen wie der OECD (in PISA-Tests) oder von einzelnen Lehrpersonen in ihren „Schulaufgaben“ hoch bewertet wird.

„Einsatz“ heißt: Ganz offensichtlich werden hier Medien von vornherein als Mittel zu einem didaktischen Zweck verstanden: das Erreichen eines vorgegebenen Lehrziels. Und das ist in der Schule z.B. weniger die Beherrschung einer Sprache in Wort und Schrift, sondern eher die Beherrschung des subjonctif.

Das ist also die eigentliche Alternative: Entweder ein Netz, das allen so selbstverständlich und entspannt zur Verfügung steht wie elektrisches Licht. (Es geht nämlich primär um Zugang zum Read/Write Web, an dem jede/r aktiv mitweben kann, und nur sekundär um die Art der Endgeräte.) Oder aber ein reflektierter und gezielter „Einsatz“ digitaler Medien im Unterricht, „im Kontext von Lernszenarien, in denen deren didaktischer Mehrwert tatsächlich begründet ist“, verantwortet vom weltweisen Pädagogen, der alle Fäden in der Hand behält.

Das entspricht in etwa auch dem Unterschied zwischen einer „Tabletklasse“, in der das Netzzugangsgerät ständig griffbereit ist, und dem „Tablet-Wagen“, der gezielt eingesetzt wird: „Der Lehrer bucht ganz unkompliziert Wochen vorher den Wagen, der Lehrer schafft den didaktisch reflektierten Kontext, der Lehrer verteilt die Tablets, von denen auch ein Großteil aufgeladen ist und andere tatsächlich funktionieren, und die Schüler wischen sich durch unbekannte Benutzeroberflächen fremder Geräte.“ (So der Uni-Didaktiker Axel Krommer.)

Das zweite medienpädagogische Szenario entspricht einem „Lernen“, das als außengeleiteter Prozess verstanden wird, der ständig überprüft und nachgeregelt werden muss. Das mag oft den Erfahrungen in der real existierenden nSchule entsprechen, die ja genau deshalb einen ganzen umständlichen Apparat aufgebaut hat, weil sie die aus früher bestehenden Sachzwängen geborene künstliche Lernsituation überbrücken muss. Aber das ist zugleich eben auch eine Self-fulfilling Prophecy.

(2) Umpolung der Perspektive: Vom Teacher Tool zum Lerner-Medium

Das Netz und das Web erzeugen einen Medienraum, in dem jede/r Nutzer/in im Zentrum ist. „Where Do You Want to Go Today?“ war der Werbeslogan des Microsoft Explorer 1996, und Google übersetzte dieses Versprechen 1999 in das berühmte reduzierte Design: Eine leere weiße Seite, in der Mitte ein Feld für die Suche, und das ganze Wissen der Welt ist sofort verfügbar. Genau dieses Versprechen wird auch von den Smartphones, den Tablets und den Netbooks transportiert.

Wenn es wirklich um „das Lernen der Schüler“ gehen soll, wie es ausdrücklich heißt, müsste die eingangs zitierte Blogparaden-Frage daher eher so lauten:

„Werde ich klüger, wissender und souveräner, wenn ich mich beim Lernen — also bei meinem Versuch, die Welt zu verstehen — nicht mehr in einem Tisch-Heft-Fotokopie-Füller-Tafel-Umfeld bewege, sondern ganz selbstverständlich in einem offenen Netz-Browser-Qwertz-Bildschirm-Ökosystem?

Wenn ich mir Wissen aneigne durch kritisch reflektierte Web-Recherche, annotierte Bookmarks, Copy&Paste, Über-die-Schulter-Schauen bei Experten, schnelle schriftliche Kollaboration mit Peers … und schließlich durch Festhalten meiner Gedankengänge im eigenen Blog, wo ich sie später wieder aufgreifen und weiterentwickeln kann?

So dass ich auch als lernender Anfänger sofort Kontakt bekomme zum lebendigen Strom des Wissens, wie er gerade die Gesellschaft (und ja, auch „die Wirtschaft“) bewegt, anstatt auf die Vermittlung von veralteten Schulbüchern und häufig wertkonservativen Lehrpersonen angewiesen zu sein?“

Es ist schwer, auf die so gestellte Frage nicht mit Ja zu antworten, sollte man meinen.

Trotzdem verneinen das auch viele SuS. Erstens, weil auch viele, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind, die enormen Möglichkeiten des Web als fremd, überwältigend und verunsichernd empfinden. Und zweitens, weil sich selbst für die, die digital souverän sind, die Kernfrage in der Schule ganz anders stellt: „Bekomme ich bessere Noten und habe ich weniger Stress, wenn ich mich primär im Netz und mit dem Netz auf den Unterricht vorbereite?“

Und da lautet die Antwort eben: Nein. Fast schon im Gegenteil. In mindestens der Hälfte aller Fälle ist es besser, man versucht sich in eigenwillige und beschränkte Blickwinkel der jeweiligen Lehrkraft einzufühlen. Meine Tochter sagte mir in all den Jahren mehr als nur einmal : „Jaja, ich weiß schon, ich könnte das jetzt besser und genauer im Netz herausfinden. Aber das hilft mir gar nichts. Ich lerne das, was im Heft steht. Ich muss nämlich die Antworten schreiben, die sich Herr XXX oder Frau YYY vorstellt, wenn ich einen Einser will.“ Das ist keine überzogene Polemik, sondern Normalität. Jede/r xbeliebige Schüler/in kann das bestätigen.

(3) OER oder Schulbuch, Laptop oder Papier?

Auch das ist eine Frage, die erst mal von der Lehr-Perspektive ausgeht. Die allermeisten OER, also digitale „offene Bildungs-Materialien“, sind von Lehrern für Lehrer gedacht. Aber man kann die Frage natürlich umpolen: „Was hilft mir beim Lernen am besten?“

Das muss keineswegs digital sein. Stift auf Papier ist oft eine sehr gute Möglichkeit. Ich kann kritzeln, durchstreichen, markieren, nachträglich Schlagworte an den Rand schreiben. Ich kann grafisch anordnen. Ich kann selber Wissens-Bilder erzeugen, die sich mir ganz anders einprägen, als perfekte Grafiken im Buch oder im Netz. Und ich kann Exzerpte und komprimierte Spickzettel schreiben, usw. … Wenn ich es kann. In der Regel lerne ich das als Schüler/in nicht.

Und auch ein Lehrbuch kann eine sehr gute Lösung sein, wenn ich weiß, was ich dort finde: Es liegt da und verkörpert „ein Stück Wissen“ in seiner Ganzheit. Wenn es mir gehört, kann sich das so anfühlen, als sei auch das Wissen darin bereits das meinige. Ich kann es mir mit Anstreichungen und Randnotizen aktiv aneignen, usw. … Wenn ich es kann.  Im Netz sind ähnliche Aktivitäten sehr viel weniger direkt und gegenständlich. Da müsste ich mir Passagen erst mit Copy&Paste in meinen eigenen Bereich holen.

Papier, Lehrbuch und übrigens auch die gern verspottete Kreidetafel können also im digitalen Zeitalter sehr gute Lernmittel sein … wenn sie eingebettet sind in eine reichhaltige, digital vernetzte Wissens- und Arbeitsumgebung. Dann kann jede/r Lernende gerade auch die Medienbrüche nutzen, um mehr Differenzierung und Individualisierung des Lernens zu errreichen.

(4) „Welche Funktion hat die Lehrerin/der Lehrer künftig?“

Alle Gespräche über die Digitalisierung an den Schulen landen sehr schnell bei den Lehrpersonen. Die gelten dann entweder als Hoffnungsträger oder als Bremsklotz, aber in jedem Fall ist man sich einig, dass die den entscheidenden Faktor darstellen. Das ist nicht so, oder besser gesagt: Es wäre für alle besser, wenn es nicht so wäre.

Zuerst einmal: Es ist tatsächlich ein großartiger Luxus, wenn für SuS über 12 Jahre hinweg eine erwachsene Bezugsperson mit Fachwissen, prinzipiellem Wohlwollen, Erfahrung als „Lernprojektmanager“ und Arbeitstechnik-Kompetenzen ständig zur Verfügung steht. Gerade gemessen an dem enormen Aufwand ist allerdings der Effekt bescheiden. Das war schon immer so, aber es fällt in dieser digitalen Umbruchszeit immer schmerzhafter ins Gewicht.

Die vielfach beschworenen „Guten LehrerInnen“, von denen jede/r eine/n oder zwei irgendwo einmal „gehabt“ hat, verbessern die Einschätzung nicht. Hier ist nicht die Rettung. Erstens ist ihre Zahl seit Jahrzehnten konstant (um die 10%, wenn es gut geht). Und zweitens sind selbst anerkannte „Gute Lehrer“ keineswegs für alle SuS gut, die in ihren Klassen sitzen.

Nun ist es aber so, dass in gar nicht seltenen Fällen die LuL (auch die „guten“!) den persönlichen Lernprozess eines bestimmten Schülers oder einen Schülerin nicht nur nicht anregen und fördern, sondern auch bremsen und nicht selten sogar blockieren. Das ist nicht notwendig ihre Schuld. In vielen Fällen wollen die Lehrpersonen gar nicht im Zentrum von Schule und Unterricht stehen. Sie wollen nicht den Zampano spielen, von dem alles abhängt. Die immer schon hohen Burnout-Quoten haben einen realen Grund. Sehr vielen LuL wäre mehr gedient, wenn sie eine zurückgenommene, dienende Rolle übernehmen könnten.

Die Rolle der LuL ist chronisch überschätzt und überfrachtet. Das ändert natürlich nichts daran, dass kenntnisreiche, anregende, faire, charakterstarke LuL, wenn die Chemie mit den betreffenden SuS stimmt, sehr positiven Einfluss  haben können! Es bedeutet allerdings schon, dass es grundsätzlich falsch ist, schulische Bildung vor allem von den LuL aus zu denken und zu planen.

Mit analogen oder digitalen Medien hat die leidige Lehrerfrage erst einmal noch nichts zu tun. Die digitalen Netz-Medien bringen aber nun die Chance, die bisher sehr geschlossene und mitunter für beide Seiten klaustrophobische Lehr/Lern-Situation zu öffnen. Plötzlich gibt es alternative Szenarien, weil das Präsentieren, das Erklären, das kollaborative Gespräch und das gemeinsame Üben auch mit anderen Mitteln möglich wird. Und es bleibt dann immer noch bei weitem genug menschlicher Kontakt übrig.

Ihrer Logik nach führen die digitalen Netz-Medien auch im Verhältnis Lehrer-Lerner zur Umpolung. Sie untergraben allein schon durch ihre prinzipielle Verfügbarkeit draußen den Autoritätsvorsprung, der sich früher nicht zuletzt der Gatekeeper-Funktion der LuL verdankte.

Auch die Digitalisierung ist ambivalent. Es gibt zugleich einen genau entgegensetzten digitalen Trend,  hin zu einem „adaptiven Lernen“, das eigentlich eher ein adaptives Lehren ist. Hier tritt eine künstliche Superintelligenz mit eingebauter Didaktik an die Stelle der Lehrperson. Das kann in sehr begrenzten Kontexten sinnvoll sein (das konzentrierte „Büffeln“ von schwierigen Inhalten über kurze Strecken), aber als Paradigma schulischen Lernens ist es, vorsichtig ausgedrückt, zweifelhaft. So bildet man keine selbstständigen WissensarbeiterInnen heran, wie sie etwa der Vordenker Gunter Dueck immer fordert.

Digitales Summerhill

Schüler-Zentrierung wurde bisher nur in radikal-reformpädagogischen Sonderfällen versucht, etwa im berühmten Summerhill. Aber selbst im reformpädagogischen Umfeld ist echte Schüler-Zentrierung sehr selten: Gerade die Schulen, die den „ganzen Menschen“ erfassen wollen, tendieren zur mindestens unterschwelligen und oft sogar extremen Überhöhung der Pädagogenrolle.

Das Web* — nicht aber „die Digitalisierung“ als solche —  ist so etwas Ähnliches wie ein großes digitales Summerhill. Die Tendenz zur „Entschulung der Gesellschaft“ (Ivan Illich) ist ihm quasi eingeschrieben.

[*Das Web ist nicht dasselbe wie das Internet: Das Netz wird von den meisten Leuten als Kommunikationsnetz erfahren, das Menschen verbindet. Das Web ist dagegen ein semantisches Graswurzel-Netz, das Schriftstücke verbindet. Es ist überall da, wo es Browser und Links gibt.]

Das heißt natürlich überhaupt nicht, dass sich diese Tendenz des Web von sich allein durchsetzt, und schon gar nicht, dass sie für alle SuS sofort wirksam wird. Dieser Weg muss erst mühsam freigeräumt werden, und es ist keineswegs sicher, dass alle SuS, die sich an ihre Umwelt angepasst haben, freiwillig und begeistert mitziehen.

Im herkömmlichen Präsenzunterricht mussten Lehrer Techniken der Zirkus-Tierdressur anwenden. (Nie aus den Augen lassen und nie eine Lücke im Ablauf lassen, wurde meinem Vater, inzwischen pensionierter StD, im Seminar eingeschärft.)

In Summerhill wie in der digitalisierten Schule der Zukunft ist es dagegen die wichtigste und durchaus anspruchsvolle Aufgabe der Lehrenden, alles aus dem Weg zu räumen, was die Lernenden beim Lernen  behindert. Das ist schwer genug. Die digitalen Netz-Medien können das unterstützen, indem sie den verkrampften Zwang zur Dauerpräsenz lockern.

Diese neuen Mischformen von Präsenz und Medialität, die wir brauchen, gibt es allerdings noch nicht. Es gibt sie auch außerhalb der Schule erst in Ansätzen. Das betrifft vor allem auch die Arbeitsplätze der Zukunft: co-working und co-learning werden ohnehin verschmelzen. Hier gilt es, die Erfahrungen der Weblern-Pioniere aufzugreifen und weiterzuentwickeln.

(5) „Wie können wir Lehrer für digitales Lernen begeistern und bilden?“

Nur dadurch, dass wir sie darin bestärken, lebenslange LernerInnen zu sein. Tatsächlich sind ja alle LuL, die jetzt schon proaktiv die Möglichkeiten des Netzes und des Web nutzen, enthusiastische SelbstlernerInnen. Diese ansteckende Energie spürt man etwa bei den Teilnehmern des edchatde, dem Netzwerk-Event der Digital-LuL, immer durch, obwohl der Twitter-Austausch sich auf 140 Zeichen beschränkt.

Eben das ist die (Post-)“Didaktik“, die sich im Netz/Web herauskristallisiert hat und v.a. in den Open Source Communities der Netzprogrammierer weiter kultiviert wurde: Man lernt am meisten von denen, die selbst lernen und weiterlernen. Man lernt eben nicht nur aus abstrakt niedergelegtem oder vorgetragenem Expertenwissen, sondern eher mehr vom frischen Wissen von Peers, die sich über die Schulter schauen lassen, sich austauschen, „laut arbeiten“ und das gerade Gelernte sofort wieder ins Netz zurückspeisen.

(6) „Wir bekommen wir die nötigen Geräte und die technische Infrastruktur fürs digitale Lernen in die Schule – und zwar funktionabel und gerecht?“ (Und wie kommen wir überhaupt zu Schulen, die im positiven Sinn „digitalisiert“ sind?)

Über die benötigte digitale Infrastruktur herrscht unter den Pionieren weitgehende Einigkeit: Breitband-Anschluss für die ganze Schule, dann lokale drahtlose Netze in einzelnen Räumen, 1:1 (alle SuS haben ein eigenes Gerät) und BYOD (die Geräte gehören den SuS, sie werden nicht ausgegeben und eingesammelt), schließlich die „Demokratisierung des Beamers“  bzw. Screensharing, d.h. Bildschirminhalte können von jedem SuS-Gerät sofort für alle projiziert werden.

Kostet das nicht vielzuviel? Nein, sagt Maik Riecken, ein engagierter Pädagoge, der sich selbst zum ausgefuchsten IT-Administrator fortgebildet hat und inzwischen als Berater die Digitalisierung auch von anderen Schulen organisiert. Und muss man nicht vorher ein gemeinsames pädagogisches Konzept und weitergebildete LuL haben, damit es ein Erfolg wird? Nein. Wenn man darauf warten wollte, kann man es gleich lassen.

Vielsprechender ist die SAMR-Strategie als Schulentwicklungsmodell. S-A-M-R steht für 4 aufeinander aufbauende Phasen, die sich bei der Einführung digitaler Medien ergeben. (Das trifft übrigens auf Unternehmen genauso zu.)

S meint die bloße Substitution der bisherigen Medien (also z.B. ein Arbeitsblatt in digitaler Form, auf das alle sofort zugreifen können). Dann kommt Augmentation, also Erweiterung der gewohnten Praktiken. Zum Beispiel können sich die SuS zu diesem digitalisierten Arbeitsblatt online austauschen. Die dritte Stufe ist Modifikation, d.h. die bisherige Didaktik ändert sich allmählich von selbst mit den neuen Möglichkeiten (z.B. können auch die SuS das Arbeitsblatt verändern, es zu einem „flüssigen Dokument“ machen). Und schließlich gibt es Redefinition: z.B. dann, wenn es gar keine „Arbeitsblätter“ mehr gibt und die Lernenden sich kollaborativ selbst solche Inhalte erarbeiten.

Install These Tools, Your Mind Will Follow, um eine alte Parole der Pop-Revolution der 1960er Jahre abzuwandeln. (Damals hieß es: „Move Your Ass …“) Also: Bringt alle Beteiligten ans Netz, alle LuL und alle SuS, und der Rest wird folgen. So wie die deutschen Mainstream-Nutzer auch erst deshalb das mobile Web 2.0 in ihr Leben integriert haben, seit Apple dafür die geeigneten Geräte zur Verfügung gestellt hat.

Das Web als selbstverständlichen Möglichkeitsraum gibt es bisher nur an sehr wenigen Schulen. Und selbst wenn eine stabile Infrastruktur installiert ist, müsste man noch Jahre abwarten, um zu sehen, welche Praktiken sich herausbilden, wie sich Akteure überregional vernetzen und austauschen usw. Das steckt bis jetzt alles noch in einem ganz, ganz frühen Stadium.

Mit den Worten von Maik Riecken: „Gibt es kein Netz, gibt es keine Voraussetzung für alles andere. ‚Meine‘ Schulen kommen auf Ideen, weil sie ein Netz haben. Da kommen nach kurzer Zeit ganz merkwürdige Anfragen wie: ‚Also, ich bräuchte jetzt mal noch die und die Möglichkeit, mich mit anderen auszutauschen – geht das?‘ … Also ist mein Job zunächst, Schulen ein Netz zu verschaffen. Ob sie das mit iDingens oder gebrauchter Hardware oder BYOD nutzen, ist erstmal zweitrangig. Die Hardwareschieber wollen aber keine Netze verkaufen – die wollen Hardware schieben und binden daher ‚ihre‘ Didaktik an Endgeräte.“

(7) Ist das dann die „totale Zwangsdigitalisierung“ der Schule, vor der der Lehrerfunktionär Josef Kraus warnt?

Ja, eigentlich schon. Jedenfalls soweit es das Netz als selbstverständliche Infrastruktur betrifft. Das ist alternativlos. Natürlich heißt das nicht, dass jemand dann einen Zwang auf Kraus ausübt, seinen Lateinunterricht künftig zu „digitalisieren“. Solange dabei wirklich alle SuS etwas lernen und für sich selbst mitnehmen, kann er das Netz ausgeschaltet lassen. Aber auch dann wird es die Ausnahme sein, die die Regel bestätigt.

(8) „Wie werden wir der Risiken Herr?“ fragt v.a. Christian Füller: „Prokrastination durch Wegtauchen in den Geräten in der Schule und zuhause. Cybermobbing und digitaler Exhibitionismus als tägliche Erfahrung von Schülern, Lehrern und Eltern.“

So wie bisher. Dabei muss man allerdings die angeführten „Risiken“ unterscheiden.

Cybermobbing und „digitaler Exhibitionismus“ sind Angelegenheiten für Schulsozialarbeiter, die es überall geben sollte. Es gibt aber keinen Grund zur Annahme, dass das Schülerdasein an deutschen Schulen heutzutage gefährdeter und traumatischer ist als, sagen wir, 1955 oder 1975. Früher hat sich kaum jemand für solche „analogen“ Fälle auch nur interessiert. Das Netz macht hier wie überall alles sichtbarer und darum dringlicher. Übrigens auch indirekter: Es macht etwa natürlich schon einen Unterschied, ob eine 13Jährige nur mit sexy Posen in Videochats herumexperimentiert oder ob sie mit Bundeswehrsoldaten und Wodkaflaschen auf Spielplätzen herumhängt. (Beides bezieht sich auf reale Fälle, die mir bekannt sind.)

Ob eine „Netzverkehrserziehung„, wie sie Christian Füller vorschlägt, sehr sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln. Die Erfahrungen mit gut gemeinter Schul-Sexualerziehung, Schul-Drogenerziehung usw. sprechen nicht unbedingt dafür. In der Regel sind das Alibiveranstaltungen, die kaum ein/e SuS ernst nimmt, und zwar oft schon deshalb, weil sie so offensiv didaktisch sind. Hierhin gehört übrigens auch die sagenumwobene „Internetsucht“, mit der sich Psychologen und „Suchtbeauftragte“ ein neues Besorgnisberufsfeld erschlossen haben.

Prokrastination (d.h. Ablenkbarkeit und Aufschieberitis angesichts der Überfülle der Netz-Information) ist ein ganz anderes Problem. Sie wird tatsächlich durch digital-vernetzte Lern-Medien auf ganz neue Weise sichtbar und spürbar. Unter digitalen Wissensarbeitern haben sich dazu unter dem Schlagwort „Produktivität“ inzwischen unzählige Methoden, Tools und Hilfestellungen herauskristallisiert.

Zweifellos ist es sinnvoll, für die SuS hier Hilfestellung zu leisten und im Idealfall je individuelle Arbeitstechniken zu entwickeln. (Für LuL gilt das übrigens genauso.) Wissensarbeitstechniken zu lernen und einzuüben, wäre allerdings auch schon im analogen Zeitalter nützlich gewesen. Bis heute kommen ja SuS aus der Schule, die nicht nicht wissen, wie man sich selbständig Notizen macht und organisiert.

(9) Hallelujah?

The Gospel Train’s a-coming, I hear it just at hand …
Get on board little children, get on board, little children,
Get on board little children – There’s room for many and more.
Gospel Train

Bleibt noch Füllers provozierende Frage: „Wieso jubeln Euphoriker das mobile Lernen gern zu einer digitalen Erlösung hoch?“ Zu diesen „Euphorikern“ zählt er dann die Politikerin Saskia Esken, den Schweizer PH-Professor Beat Doebeli und auch mich selbst.

Nun trifft es sicher zu, dass alle Genannten die emanzipatorischen Möglichkeiten hoch einschätzen, die digitale Netz-Medien für die bisher ja gerade nicht ermächtigten SuS bringen können. Und es stimmt auch, dass wir wohl alle von der Alternativlosigkeit der Einführung digitaler Medien in die Schulpraxis ausgehen. (Die Füller inzwischen selbst zugesteht.) Aber keiner von uns „Euphorikern“ sagt, dass alles einfach ist und von selbst geht.

Von „Erlösung“ ist also nirgends die Rede, falls man damit nicht die Art von froher Botschaft meint, die die von mir tatsächlich verehrten Web-Pioniere Doc Searls und David Weinberger 1999 in ihrem gescheiten #Cluetrain-Manifest verkündet haben. To have a clue heißt so viel wie Ahnung haben, und es schwingt hier auch eine Anspielung auf den Gospel Train mit. (Die immer noch sehr lesenswerten „95 Thesen“ des Manifests knüpfen ausdrücklich und selbstironisch an Luthers Thesenanschlag an. Die englische Fassung ist deutlich vorzuziehen.)

Das Cluetrain-Manifest war ursprünglich auf die PR und Werbung von Unternehmen gemünzt, die durch das Internet in die große Krise geraten. Aber man kann sehr gut überall da „Bildung“ einsetzen, wo das Manifest von „Märkte“ spricht, und von „Schulen“, wenn es dort um Firmen geht. Dann kommt etwa Folgendes heraus (die ersten 10 Thesen):

„Bildungsprozesse sind Gespräche. Bildungsinstitutionen bestehen aus Menschen, nicht aus Funktionären, Altersgruppen und soziologischen Schichten.
Gespräche zwischen Menschen werden mit einer menschlichen Stimme geführt. Ob es darum geht, Informationen weiterzugeben oder Meinungen, zu streiten oder witzig zu sein – die Stimme des Menschen ist offen, natürlich, nicht aufgesetzt.
Menschen erkennen einander am Klang ihrer Stimme. Durch das Internet kommen Menschen miteinander ins Gespräch, wie es im Zeitalter der Massenmedien undenkbar war.
Hyperlinks untergraben die Hierarchien. Die vernetzten Gespräche, [die durch authentische digitale Stimmen und durch digitale Links entstehen,] gebären neue und machtvolle Formen gesellschaftlicher Beziehung und des Austauschs von Wissen.
Dabei wird das Bildungssystem in allen Teilen intelligenter. Es ist besser informiert und organisiert sich von alleine. In solchen vernetzten Systemen mitzuwirken, verändert die Menschen grundlegend.“

Ich kann nicht für Doebeli und Eskens sprechen, aber ich bin immer noch der Meinung, dass das stimmt. So wie es gleichzeitig wahr ist, dass inzwischen das Imperium überall zurückschlägt: die arabischen Diktaturen, die Geheimdienste, die Social Media-Giganten aus dem Silicon Valley und in den USA auch schon die ersten Datenkraken im Bildungsbereich.

Die Frage ist, nach welchem Modell schulische Abläufe künftig modelliert werden: nach dem graswurzelhaften Web oder nach Top down-Lernmaschinen in der Nachfolge des Behavioristen Skinner.

(10) Wie lange wird es dauern, bis sich die Schulen verändern?

Das ist die schwierigste Frage. „Schule“ als Idee und als Praxis erwies sich als erstaunlich haltbar, und der Grund ist eher nicht das gute Verhältnis von Mitteleinsatz und Ertrag (menschlich wie wirtschaftlich).

Schule-wie-wir-sie-kennen ist derzeit ein Anker, an den sich Viele klammern, gerade in einer Welt, die sich rasend schnell verändert. Zugleich gibt es eine reformpädagogische Welle, die breite Bevölkerungsschichten erfasst hat. Auch hier gilt aber die Sehnsucht der Schule als Arche, dem Lindgren-Internat auf der grünen Wiese, dem geschützten Zufluchtsort für authentisches und „kreatives“ Leben. Und das ist wesentlich analog – digitale Medien werden jedenfalls in Deutschland immer nur am Rand ins Spiel gebracht.

Wie wird sich also etwas ändern? Jedenfalls nicht durch die Masse der Lehrer: die Überzahl ist und bleibt konservativ, technikskeptisch und defensiv. Auch nicht durch einen Meisterplan der Bildungspolitiker und Kultusbürokraten. Nicht durch eine gemeinsame, gezielte Aktion vieler Schulträger. Nicht durch große Programme, die viel Geld kosten. Auch nicht durch die SuS, die von Anfang in der Schule sozialisiert werden, die dauernde Betüdelung und Infantilisierung dort z.T. positiv annehmen und die sich Alternativen in der Regel gar nicht vorstellen können.

Durch wen dann? Am ehesten wird es ein bisschen von allem sein. Dazu die Ansteckungskraft von guten Beispielen. Aber vor allem der steigende Veränderungsdruck durch zwei große Hebel, die nichts mit Bildung im engeren Sinn zu tun haben:

Weniger öffentliches Geld: Vergesst die Politiker-Schaufensteraktionen mit „Bildungsmilliarden“. Seit langem fließt immer weniger Geld ins Bildungssystem, nicht mehr. Das wird so bleiben. Die Infrastruktur muss erhalten werden, die Kommunen haben kein Geld, an vielen Stellen spürt man das Altern und Wegziehen der Bevölkerung. Dazu kommt der starke Druck der Edu-Industrien, die u.a. mit TTIP die Politik zwingen wollen, den digitalen Bildungsmarkt auszubauen und zu öffnen.

Permanente Digital-Revolution: Die Geschwindigkeit, mit der sich unsere Welt durch Digitalisierung im Allgemeinen und digitale Geräte/Technologien im Besonderen sich verändert, wird eher zu- als abnehmen. Schon in 5 Jahren könnten uns nicht-digitalisierte Schulen völlig absurd erscheinen.

Vielleicht kommt die wirkliche Innovation gerade nicht über die „Eliten“ (das Web zerstört auch diesen Aberglauben), sondern über die Armen: über die armen Länder draußen in der Welt, die viel entschlossener umstellen und Deutschland immer rückständiger erscheinen lassen. Und vielleicht auch hier gerade über die „armen“ Schulen in schrumpfenden Regionen: Die werden möglicher Weise als Erste alle Mittel einsetzen müssen, um vom dauernden Präsenzunterricht wegzukommen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Blaupausen von neuartigen „Blended Learning“-Lernräumen, die in den nächsten Jahren entwickelt werden müssen, aus solchen Regionen kommen werden.

Darauf gehe ich jedenfalls jede Wette ein: 2025, also in 10 Jahren, werden alle diese kleinteiligen Diskussionen über „Digitale Bildung“  völlig unverständlich erscheinen. Ob das dann gut oder schlecht sein wird, liegt an uns. Je früher wir uns den Herausforderungen stellen, auch an den Schulen, desto besser.

[Ich weiß schon, das ist alles viel zu lang. Aber klickt trotzdem auf ein paar Links. Die sind wichtig für Kontext und Vertiefung.]