Teenage Kicks: Ist der mythische 3-Minuten-Popsong der „Urmeter“ für Microcontent?

29. Juni. 2011

3 Minuten. Das ist der Sage nach die Zeit, die Songschreiber haben, um ein Meisterwerk zu schaffen. Durch eine seltsame Alchemie von Worten und Melodie schleicht sich der perfekte Popsong dann ins Bewusstein der Hörer, um es sich dort häuslich einzurichten. (#)

Der legendäre DJ John Peel erklärte „Teenage Kicks“ von den Undertones (2:21) zum perfekten Popsong. Das ist die Untergrenze. Perfekte Popsongs dauern  eher zwischen 2:30 und 3:30 Minuten. (Ausnahmen bestätigen die Regel.) Das war zuerst eine technische Begrenzung: So viel Musik passte auf eine 78er-Schellackplatte, und die war das erste Pop-Medium. In einer exzellenten Web-Diskussion auf reddit wird aber auch darauf hingewiesen, dass das die typische Länge der Piano-Miniaturen war, mit denen Anfang des 19. Jahrhunderts die bürgerliche Hausmusik begann, auf denen wiederum Schubert seine Lied-Hits aufbaute.

3 Minuten: Das entspricht, heißt es, der Aufmerksamkeitsspanne der idealtypischen Teenager, aber das beißt sich in den Schwanz. „Teenager“ gibt es ja eben erst seit dem Medienzeitalter der Radios und Magazine (d.h. seit Ende der 1940er). Seitdem ist die Pop-Jugendkultur Schrittmacher und Blaupause für die für die Neuen Medien: Anka, Beatles, Zuckerberg.

Diese techno-kulturelle Form scheint ins Erbgut eingegangen zu sein: Inzwischen ist das eine psychologische Größe. Uns Pop-Sozialisierten kommen bis heute 3 Minuten als das natürliche Format für eine perfekte Aufmerksamkeits-Einheit vor: Intro, Strophe und Chorus (zweimal wiederholt), Bridge, nochmals Strophe/Chorus, dann Wiederholung des Chorus, allmähliches Ausblenden. Weniger als 2:30 ist nicht rund, mehr als 3:30 wird im Autoradio (und im Web) fad.

Die Ultrakurzformen (SMS, Titter, Facebook-Updates …) sind dann nur noch Verweise, Metacontent: „Toll! Super!“ –  „Hast du das hier schon gehört?“ – „Hey, das erinnert mich an XXX.“ Sie leben von diesen Ur-Bausteinen: dem perfekten Popsong, dem perfekten Blogpost. Eine Idee, ausgeführt und variiert, in sich geschlossen, fertig. Ein Baustein, der jederzeit von einem Kontext in den anderen versetzt werden kann. Microcontent. Ein Mem: Die kleinste kulturelle Einheit, die sich wie ein Ohrwurm selbst repliziert. Der Grundstoff unserer Mikromedien-Kultur.

5 Antworten to “Teenage Kicks: Ist der mythische 3-Minuten-Popsong der „Urmeter“ für Microcontent?”

  1. martinlindner Says:

    Das hier ist eigentlich ein Demo-Blogpost, der für #opco11 demonstrieren soll, was das typische Blogpostformat bzw. eben „Microcontent“ ausmacht:
    – Überschrift;
    – Body, selbst wieder in mehrere kurze Paragraphen zerlegt;
    – eingebettetes Video, Links;
    – Tags;
    – Namens- und Zeitstempel;
    – Kommentare.


  2. […] “Eine Idee, ausgeführt und variiert, in sich geschlossen, fertig. Ein Baustein, der jederzeit von einem Kontext in den anderen versetzt werden kann. Microcontent. Ein Mem: Die kleinste kulturelle Einheit, die sich wie ein Ohrwurm selbst repliziert. Der Grundstoff unserer Mikromedien-Kultur.” Martin Lindner, :microinformation, 29. Juni 2011 […]


  3. […] Kommentar zwar kein Format von Gewicht, er ist kleiner als der neudeutsche „Microcontent“ https://microinformation.wordpress.com/2011/06/29/teenage-kicks-ist-der-mythische-3-minuten-popsong-d…; der Artikel, der Leitkommentar etc., sie alle sind die großen Sinneinheiten, die eine Debatte […]


  4. […] Kommentar zwar kein Format von Gewicht, er ist kleiner als der neudeutsche „Microcontent“; der Artikel, der Leitkommentar etc., sie alle sind die großen Sinneinheiten, die eine […]


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